Ehemalige Weltmeisterin unterrichtet Sport am Bergkamener Gymnasium

Eine Lehrerin mit einer überragenden Sportkarriere unterrichtet seit einiger Zeit am Städtischen Gymnasium in Bergkamen. Weltmeisterin im Kanu ist sie geworden, bei Europameisterschaften gewann sie Medaillen, mehrfach wurde sie Deutsche Meisterin. Dagmar Volke heißt diese Lehrerin, die am Bergkamener Gymnasium Chemie und – wie kann es anders sein – Sport unterrichtet.

Seit den Olympischen Spielen 1936 in Berlin feierten deutsche Athleten im Kanu-Rennsport, im Wildwasserkanu und später im Kanu-Slalom Olympiasiege und Weltmeistertitel. Dass auch der Kreis Unna mit dem Kanuverein Schwerte einen Stützpunkt im Kanusport besitzt und etliche erfolgreiche Kanuten hervorgebracht hat, ist weniger bekannt. Zu nennen ist hier der Schwerter Detlef Lewe, der Europameister und Weltmeister im Einer-Kanu wurde. Als zweimaliger Medaillengewinner bei Olympia durfte er sogar die Fahne bei der Eröffnungsfeier der Olympischen Spiele in München 1972 tragen.Aus dieser erfolgreichen Talentschmiede ist auch Dagmar Volke, die damals Stupp hieß, hervorgegangen.In verschiedenen Disziplinen wie dem Wildwasser- oder Zweier-Kajak gewann sie Anfang der achtziger Jahre Deutsche Meistertitel. 1983 erlebte sie dann ihren sportlichen Höhepunkt, als sie den Weltmeister-Titel im Wildwasser-Kanu errang. Zwischen 1981 und 1985 wurde sie noch dreimal Weltmeisterin mit der deutschen Mannschaft.Eine Karriere, die so nicht vorherzusehen war. Ihre Eltern waren keine Leistungssportler und führten ihre Tochter eher zufällig auf Wander- und Bootsfahrten zum Kanusport. Ihr Kanutalent blieb nicht lange unentdeckt. Ersten Erfolgen bei NRW-Wettkämpfen folgte der vierte Platz bei den deutschen Jugendmeisterschaften im Alter von 15. „Mein großes Talent lag in der Anpassungsfähigkeit an verschiedene Gewässer und Strömungen. Je schwieriger das Wasser war, desto besser war ich eigentlich“, erinnert sich Dagmar Volke. Mit der Aufnahme in die deutsche Bundesförderung als junge Kanutin stellte sich die Frage, in welcher Kanusportart die Allrounderin Volke antreten sollte. In den 1980er Jahren waren großen Erfolge im Wettkampf-Kanu für Westeuropäer unerreichbar. Die Athleten der Ostblockländer räumten – wohl häufiger unterstützt durch systematisches Doping – Olympiasiege und Weltmeistertitel ab. Das nicht-olympische Wildwasser-Kanu wurde vom Ostblock jedoch nicht staatlich gefördert und so ergaben sich Chancen für Athleten wie Dagmar Volke. Lange Zeit lieferte sich Volke zusammen mit den erfolgreichen Kanutinnen Karin Wahl und Andrea Hötzendörfer in der Mannschaft spannende Wettkämpfe gegen Frankreich im Frauen-Kanu um Welt- und Europameistertitel. Während die Deutschen bei den Weltmeisterschaften meistens die Nase vorn hatten, reichte es bei Europameisterschaften nur zu Silbermedaillen.Zusammen mit der Ausnahmeathletin Barbara Schüttpelz, die bei der Olympiade 1984 Silber und Bronze gewann, wurde sie zudem zweimal Deutsche Meisterin im Zweier-Kajak.1987 beendet Dagmar Volke schließlich mit dem Vize-Weltmeistertitel in der Mannschaft hinter Frankreich ihre Sportkarriere. Nach den Kanustationen Leverkusen, Düsseldorf und ihrem Studium kehrte Dagmar Volke schließlich in den heimatlichen Kreis Unna zurück und wurde Lehrerin in Bergkamen. Ihrer aktiven Sportlerzeit trauert sie nicht hinterher, verfolgt aber die Szene weiterhin interessiert. Seit der Slalom-Kanu 1992 olympisch geworden ist und 90% der Fördergelder des DKV dorthin abwandern, hat das Wildwasser-Kanu zum Bedauern Volkes an Bedeutung verloren. Heutige Kanuten entscheiden sich immer mehr für den Slalom, hat sie festgestellt. Anders als beim Wildwasser scheint Dagmar Volke dabei das Thema Doping zunehmend wichtiger geworden zu sein. „Kurze, anstrengende Strecken wie im Slalom oder Kanu-Sprint verlangen viel Kondition und Muskelmasse. Die Dopinggesetze waren lange Zeit löchrig, der Konsum von Marihuana zum Beispiel lange legal. Gerade vor dem Hintergrund der jüngsten Dopingskandale im Radsport oder Leichtathletik ein wichtiges Thema“, erklärt Dagmar Volke und hofft, dass bei den Kanuten alles sauber ist. „Denn der Kanusport bietet einen tollen Einstieg für junge Menschen“, erklärt sie, „fördert Kraft und Ausdauer und holt den Kinder vom Fernseher an die frische Luft und in die Natur.“ Für den Unterricht kann Dagmar Volke Kanu als Sport in Bergkamen schwerlich anbieten, aber vielleicht besteht in Zukunft ja mal eine Möglichkeit, den Datteln-Hamm-Kanal zu befahren, denkt sie.

Von Lukas Peuckman

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